Warum nur hold und schön und rein …?

Unerhörte Frauen:
Chansons und Geschichten
über das scheinbar schwache
Geschlecht
mit “Chanson-Nette”
Jeannette Urzendowsky
& Tal Balshai (Piano/Gesang)

Schwaches Geschlecht? Von wegen! „Was die Männer können, können wir schon lange – und vielleicht ‚ne ganze Ecke mehr!“, schmetterte die große Berliner Komödiantin Claire Waldoff 1926. Claire war eine „Ikone des Unkonventionellen“, besang rebellisch den Feminismus, die freie Liebe und das freie Leben – aber nicht als Vamp für Männerphantasien, sondern ursprünglich weiblich, selbstbewusst.
Unerhört? Von wegen! Musikalisch-kabarettistisch geht’s in diesem Programm um Selbstvertrauen, um Frauenpower, die alles erlaubt, auch Verletzlichkeit. Aber auch um „ladylike“, um festgezurrte Rollen. Wir stellen Frauen vor, die etwas zu sagen hatten oder haben, die in der Kunst überleben – von gestern bis heute. Von Friedrich Hollaenders Zyklus „Lieder eines armen Mädchens“ bis zu Hilde Knef und Fifi Brix. Auch unbekannte, unerhörte Frauen kommen zu Wort.

Absurde Überhöhung der Männerwelt


Frauen hatten lange kein Wahlrecht, durften kein eigenes Konto eröffnen oder berufstätig sein ohne die Zustimmung des Gatten. Unerhört! Und wenn Higgins der Sprachprofessor in Robert Gilberts Übersetzung von „My fair Lady“ tönt: „Warum kann eine Frau nicht sein wie ich?“ Dann bringt er diese ganze absurde Überhöhung der Männerwelt kabarettistisch auf den Punkt.
Die Frau ist von Natur aus frei, aber der Mann ist seit Urzeiten dominant. Kritisiert Frau, ist sie die Nervensäge, denkt Mann quer, wird er ernst genommen. Verweigern sich Frauen, werden sie heruntergeputzt – oft sogar vom eigenen Geschlecht. Wen wundert’s, dass sie in dieser Lage oft nicht sein dürfen wie sie nun mal sind.
Apropos putzen, nähen und schön sein …Mit alledem sind in den Modeheften der Fünfziger ausnahmslos Frauen beschäftigt. Später, in den 60ern, waren Minirock und Hot-Pants en vogue, Frau revoltierte gegen starre Normen – und fiel doch wieder auf die Männerwelt rein. Wer fühlt sich wohl im neuen Look? Egal. Der „Mini“ musste sein – zum männlichen Wohlgefallen.

… ab 1933 wieder hausbacken …

Obwohl bereits in den Zwanzigern die Heldinnen der Modehefte quirlig, frech und selbstsicher vom Titel blickten: „Oh, wie praktisch ist die Berlinerin!“ reimte damals Friedrich Hollaender. Doch ab 1933 mussten Frauen dann wieder hausbacken sein.
Und heute? Die Stimmung hat sich gedreht. Selbstbestimmtes Leben? Ja, bitte. Jeder Mensch soll sein Geschlecht so divers ausleben, wie er will. Nur leider machen Populisten schon wieder Stimmung dagegen – in den USA, in Ungern und Russland, auch hierzulande.

Endlich auf Augenhöhe!

Es ist an der Zeit, dass wir endlich so sein können, wie wir uns wohlfühlen – auf Augenhöhe mit den Männern! Verblüffend, dass ein Mann einst für Claire Waldoff feministische Chansons schrieb. „Was die Männer können, können wir schon lange ….“ reimte und komponierte Friedrich Hollaender. Er war ein scharfer Beobachter seiner Zeit. In seinen Liedern stellt er verschiedenste Mädchen- und Frauentypen vor, liefert damit auch ein historisches Dokument über deren soziale Situation und Entwicklung.

Und heute auf der Bühne?
Tal Balshai & ich spielen
als w/m-Duo gemeinsam.
Jut so!

Tal Balshai …

Tal Balshai

… ist ein musikalischer Tausendsassa,
leidenschaftlich offen für verschiedenste Genres von Jazz bis Klassik.
Er ist Pianist, Komponist, Arrangeur, Chanson- und Blues-Dichter, wurde 1969 in Jerusalem geboren, studierte klassisches und Jazz-Klavier in Jerusalem, Berlin, New York sowie Tonmeister an der Universität der Künste (UdK) in Berlin.
Als Pianist und Begleiter trat er u.a. in der Mailänder Scala, den Staatsopern von Hamburg, Berlin und Wien, im Teatro Real in Madrid oder anlässlich der Salzburger Festspiele auf.
Seine Orchester-Arrangements wurden u.a. von der Staatskapelle Dresden und der Staatskapelle Halle aufgeführt. Tal Balshai begleitet Stummfilme am Klavier, komponiert auch Musik für Film und Theater, vertont Gedichte beispielsweise von Kurt Tucholsky, schreibt eigene Lieder und Instrumentalmusik.
Sein Programm „Der Wohlstandsblues“, das auch als CD erschienen ist, beschreibt humoristisch-nachdenklich den Alltag, das Leben und die Rolle des Einzelnen in der heutigen Zeit. Für die Bergfilmkomödie „Der große Sprung“ aus dem Jahre 1927 entwickelte er ein musikalisches Konzept mit Filmschlagern von Werner Richard Heymann, dessen Originalpartitur im Zweiten Weltkrieg vernichtet wurde.
Mehr Infos zu Tal Balshai: www.talbalshai.com